20 Jahre Kongress Armut und Gesundheit

Gesundheit gemeinsam verantworten … Motto und Ziel

Seit seiner erstmaligen Umsetzung im Jahr 1995 versteht sich der Kongress Armut und Gesundheit als Plattform für den Austausch zu den gesundheitlichen Belangen von Menschen in schwierigen Lebenslagen und den Möglichkeiten, deren gesundheitsbezogene Ressourcen zu stärken. Seit längerem werden hier gemeinsame Projekte und Programme initiiert, strategische Konzepte entwickelt oder aktuelle wissenschaftliche und politische Entwicklungen ausgetauscht. Der Kongress ist nicht zuletzt das jährliche Treffen der Aktiven und Impulsgebenden der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland. Alles mit dem gemeinsamen Ziel: sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheiten in den öffentlichen Diskurs einzubringen und entsprechende Reaktionen anzustoßen oder zu begleiten. Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit hat seit 1995 an Brisanz nicht verloren, ganz im Gegenteil: Armut sowie das Risiko, in Armut zu leben, schränken die Gesundheit und Lebensqualität weiterhin sehr drastisch ein. Wer in Armut lebt – in Deutschland umfasst die Armutsquote 12,5 Millionen Menschen – hat ein deutlich größeres Risiko häufiger, länger und schwerer zu erkranken und frühzeitiger zu sterben.

Aus einer einst studentischen Bewegung konnte sich der Kongress Armut und Gesundheit in seiner 20-jährigen Geschichte zur größten deutschlandweit stattfindenden Public Health-Veranstaltung entwickeln. 2.300 Teilnehmende kamen am 5. und 6. März 2015 an die Technische Universität Berlin, um sich in 100 Veranstaltungen und einer begleitenden Messe, Fotoausstellung und Buchvorstellung über Strategien zum Abbau sozial bedingter Ungleichheiten in Gesundheitschancen zu informieren und einzubringen. Die wachsende Zahl an Teilnehmenden und die Ausweitung des Programmes geben ein deutliches Zeichen: Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit ist ein gesellschaftliches Thema, mit hohem Diskussionsbedarf und Aufforderungscharakter.

Der Kongress Armut und Gesundheit stellte in diesem Jahr die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Gesundheit ins Zentrum. Das Motto „Gesundheit gemeinsam verantworten“ bildete hierbei das Leitthema. Ausgerichtet wurde der Kongress Armut und Gesundheit 2015 von Gesundheit Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH) und der Technischen Universität Berlin (Gesundheitsökonomisches Zentrum Berlin und Zentrum Technik und Gesellschaft). Viele Partner und Förderer unterstützten das Vorhaben sowohl inhaltlich als auch finanziell. Eine Übersicht der Partnerorganisationen befindet sich hier.

4.März: Pressekonferenz, Satellit und D/A/CH-Tagung

Bereits am 4. März 2015 fand die den Kongress begleitende Pressekonferenz statt. PD Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut stellte hier aktuelle Zahlen vor, die in der ersten Jahresausgabe der GBE kompakt zusammengestellt wurden. Das Heft wurde eigens für den Kongress vervielfältigt und druckfrisch den Tagungsmappen beigelegt.

Ca. 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland einem Armutsrisiko ausgesetzt. Die Parameter sozialer Ungleichheit spiegeln sich auch in der Gesundheit der betreffenden Kinder und Jugendlichen wider, wie Dr. Lampert anhand von Daten aus der KIGGS-Studie darlegte. Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorstandsvorsitzender von Gesundheit Berlin-Brandenburg und Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, diskutierte auf der Grundlage der vorgestellten Zahlen gemeinsam mit Thomas Isenberg, MdA, Sprecher für Gesundheit der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes die Chancen, die das derzeit verhandelte Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland insbesondere im Bereich der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention bietet. Die gemeinsame Pressemitteilung und eine Zusammenstellung des Presseechos im Nachgang der Veranstaltungen sind hier nachzulesen.

Die Satellitenveranstaltung „Füreinander Sorge tragen“ begann direkt im Anschluss an die Pressekonferenz. Sie widmete sich in diesem Jahr der familienbezogenen Gesundheitsförderung. In Vorträgen und vertiefenden Workshops wurde der Frage nachgegangen, wie die kommunale Gesundheitslandschaft gemeinsam mit Familien und familiären Gemeinschaften gestaltet wird. Die Workshops widmeten sich den Wirkungsfeldern familienbezogener Gesundheitsförderung und ihren Dimensionen. Die Dokumentation der Veranstaltung finden Sie in Kürze hier.

Ebenfalls am 4. März fand das jährliche Treffen des D/A/CH-Netzwerkes für Gesundheitsförderung statt. In den vergangenen Jahren wurde in den drei Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz mit der Entwicklung nationaler Gesundheitsziele und kooperativer Verantwortungsstrukturen für eine systematische Gesundheitsförderungs-Politik begonnen. Im Rahmen der transnationalen Netzwerk-Tagung wurde über den Stand dieser Entwicklungen informiert und diskutiert. Weitere Hintergrundinformationen sind hier zusammengestellt.

5. und 6. März: 100 Veranstaltungen an zwei Tagen

An zwei darauffolgenden Kongresstagen wurde in einer Vielzahl an Veranstaltungen, die thematisch von den Frühen Hilfen bis ins hohe Alter, von der Versorgung wohnungsloser Menschen bis zur Verantwortung der Pharmaforschung reichten, ein abwechslungsreiches und inhaltlich fundiertes Programm umgesetzt. Knapp 450 Referierende, Diskutierende und Moderierende aus dem gesamten Bundesgebiet und dem v.a. europäischen Ausland haben auch dem Kongress Armut und Gesundheit 2015 wieder eine besondere, fachlich versierte, diskussionsfreudige, kritische und dynamische Atmosphäre verliehen. Im Sommer 2015 wird die Dokumentation zum Kongress in Form einer DVD erscheinen. Auch auf dieser Webseite werden fortan Berichte und Impressionen eingestellt.

Carola Gold-Preisverleihung 2015

Auch in diesem Jahr wurde am ersten Kongressabend der Carola Gold-Preis für gesundheitliche Chancengleichheit verliehen. Dr. Jenny De la Torre Castro und Klaus-Peter Stender wurde die Ehrung zuteil, die Laudationen hielten Prof. Theda Borde und Prof. Ilona Kickbusch. Klaus-Peter Stender ist Leiter der Fachabteilung Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsförderung in der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg und wurde für seine bundesweiten Impulse im Rahmen kommunaler Gesundheitsförderung und Prävention geehrt. Dr. Jenny De la Torre Castro ist Ärztin und macht sich als Initiatorin der Jenny-De-la-Torre-Stiftung seit Jahrzehnten für die medizinischen und sozialen Belange obdachloser Menschen stark.


Der Carola Gold-Preis wurde 2012 gemeinsam vom Vorstand von Gesundheit Berlin-Brandenburg und dem Steuerungskreis des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit ins Leben gerufen und von den Landesvereinigungen für Gesundheitsförderung und dem AWO Bundesverband ausgelobt. Mehr Informationen zur Preisverleihung sind hier abrufbar.

Das Motto des Kongresses Armut und Gesundheit 2015 „Gesundheit gemeinsam verantworten“ sollte gleichermaßen als Vision, Impuls, Richtungsweiser, Herausforderung und Prüfstein soziallagenbezogener Gesundheitsförderung und Prävention verstanden werden. Das neue Kongressjahr 2015/2016 hält u.a. mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland viele Möglichkeiten und Herausforderungen bereit. Die Debatte geht also weiter.

Für das Kongressteam Maren Janella

Fotos: André Wagenzik

Kontaktdaten

Fragen rund um den Kongress Armut und Gesundheit beantwortet Ihnen das Kongressteam.

kongress(at)gesundheitbb.de

Fon: 030 44 31 90 73

Fax: 030 44 31 90 63


Kongress 2018

Im kommenden Jahr findet der Kongress am Dienstag und Mittwoch, 20. und 21. März 2018 statt.

Veranstaltungsort:

Technische Universität Berlin

Straße des 17. Juni 135

10623 Berlin