Grußwort zum Kongress Armut und Gesundheit 2016

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe

BMG / Jochen Zick (action press)

Liebe Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmer,

für immer mehr Menschen geht der Wunsch in Erfüllung, ein hohes Alter zu erreichen. Und viele können sich dabei auch lange Zeit einer guten Gesundheit erfreuen. Das ist ein eindrucksvolles Zeichen für die guten Lebensbedingungen in unserem Land und beweist zugleich die hohe Qualität unseres Gesundheitswesens.

Diese guten Lebensbedingungen befördern das gesunde Älterwerden – gleichzeitig bergen geänderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten neue gesundheitliche Risiken: Fertiggerichte ersetzen nicht selten das Kochen mit frischen Zutaten, statt bewegt an der frischen Luft verbringen viele junge und ältere Menschen ihre Freizeit sitzend vor dem Bildschirm. Trotz dieser Lebensgewohnheiten halten viele junge Menschen an der Auffassung fest, dass Erkrankungen des Kreislaufsystems, des Muskel-Skelett-Systems und des Stoffwechsels erst mit zunehmenden Alter eine Rolle spielen. Chronische, lebensstilbedingte Erkrankungen haben jedoch in allen Altersgruppen zugenommen.

Dass ein gesunder Lebensstil nicht nur für eine älter werdende Gesellschaft unverzichtbar ist, zeigt sich am Beispiel Bewegung. So fördert sie in der Kindheit zunächst grundlegend die Entwicklung in allen körperlichen und geistigen Bereichen. Bei Erwachsenen erhält Bewegung die Leistungsfähigkeit, in der aktiven Berufsausübung trägt sie u.a. dazu bei, die Koordinationsfähigkeit zu erhalten.

In meinem Grußwort anlässlich des Kongresses „Armut und Gesundheit“ im vergangenen Jahr hatte ich unsere Pläne im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung bereits angekündigt. Ich freue mich sehr, dass das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention im Juni 2015 beschlossen wurde und in seinen wesentlichen Teilen schon seit dem 22. Juli 2015 in Kraft ist.

Mit dem Präventionsgesetz unterstützen wir die gesundheitsförderliche Gestaltung der alltäglichen Lebens-, Lern und Arbeitsbedingungen. Prävention und Gesundheitsförderung müssen verstärkt in die Lebenswelten der Menschen getragen und dort verankert werden, wo wir wohnen, lernen und arbeiten. Denn die Lebenswelten üben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit aus. Hier werden gesundheitsbezogene Werte und Verhaltensweisen geprägt. Sie müssen so gestaltet sein, dass sie unsere Gesundheit fördern – beispielsweise durch gesundes Essen in der Kita, Schule oder Betriebskantine, durch Schulhöfe, auf denen es Spaß macht, sich zu bewegen oder durch Gesundheitsangebote im Betrieb für arbeitslose Menschen. Mit dem Fokus auf die Stärkung der Gesundheitsförderung in den Lebenswelten unter Beteiligung der Betroffenen ist das Präventionsgesetz ein wichtiger Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen.

Prävention und Gesundheitsförderung werden aber nicht nur mit gesunden Lebensbedingungen und einem gesunden Lebensstil vorangebracht. Das Präventionsgesetz sieht vielfältige Maßnahmen zur Impfprävention und erweiterte Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Erwachsene vor. Damit können wir schon frühzeitig auf individuelle Risiken und Belastungen reagieren, d.h., bevor es zu einer Krankheit kommt.  

Bleibt ein ganz wesentlicher Aspekt des Präventionsgesetzes zu nennen: Durch die Ergänzung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch um den § 2 b wurden die Krankenkassen verpflichtet, bei allen Leistungen den Besonderheiten von Frauen und Männern Rechnung zu tragen. Nur so können Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung zu gesundheitlicher Chancengleichheit beitragen.

Gesundheitliche Chancengleichheit – Weiterhin eine Vision, vielleicht sogar eine Utopie? – fragt das Kongressteam in der Einleitung zum diesjährigen Kongressprogramm. Die Herstellung gesundheitlicher Chancengleichheit ist und bleibt eine gewaltige Herausforderung und eine gesundheitspolitisch wichtige Zielstellung. Die Umsetzung des Präventionsgesetzes, mit dem wir die gesundheitliche Chancengleichheit erhöhen wollen, ist nun die Aufgabe aller verantwortlichen Institutionen und Organisationen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

 

Unter dem Motto „Gesundheit ist gesetzt!?“ nimmt der Kongress „Armut und Gesundheit“ 2016 die politischen Gestaltungsspielräume in den Blick. Gerne habe ich die Schirmherrschaft über die größte Public Health Veranstaltung in Deutschland übernommen. Viele Punkte, die die Bundesregierung mit dem Präventionsgesetz aufgreift, spiegeln sich im Kongressprogramm wider. Ich bin mir sicher: vor Ihnen liegen zwei interessante Kongresstage. Ich wünsche Ihnen gute und erkenntnisreiche Beratungen.

 

Hermann Gröhe

Kontaktdaten

Fragen rund um den Kongress Armut und Gesundheit beantwortet Ihnen das Kongressteam.

kongress(at)gesundheitbb.de

Tel.: 030 44 31 90 73

Fax: 030 44 31 90 63